Gedanken haben keine Kraft

Ich habe beim letzten Mal ein Plädoyer gehalten für die Tatsache, dass Gedanken Kraft haben. Und das möchte ich heute widerlegen. Ich glaube ohnehin, dass es gut ist, sich regelmäßig selbst zu widersprechen, aber diesmal ist es auch notwendig. Ich reagiere damit auch auf einige Rückmeldungen, die gekommen sind, auch per E-Mail, was ich immer sehr interessant finde, und das hilft wirklich, dem Thema weiter Gestalt zu geben. Daher danke ich allen herzlich für die Rückmeldungen, die immer erscheinen – ich lese sie auch immer.
Gedanken haben keine Kraft. Gedanken sind Spiegelungen von etwas, das einst wirklich war, das aber jetzt mehr oder weniger zu einer Scheinspiegelung zerfällt.

Die Bedeutung der Wiederholung

Wir verfolgen das Kapitel Wiederverkörperung und Karma in dem Buch Theosophie von Rudolf Steiner, um einen Eindruck zu bekommen, wie man mit dem Denken nur eine ganz große Gewissheit bekommen kann über dieses Phänomen Wiederverkörperung und Karma. Zuerst hatte Rudolf Steiner die Frage gestellt, ob es vielleicht so sein könnte, das so, wie wir in uns selbst ein Gedächtnis haben, dass auch die Welt ein Gedächtnis hat, ein Gedächtnis für die Taten, die wir an ihr verrichten.

Haben Gedanken Kraft?

Die Frage ist: Haben Gedanken Kraft? Wir versuchen natürlich, bei den Weltereignissen mitzudenken. Und die Frage ist, ob das auch etwas am Weltgeschehen verändert, wenn wir das so tun. Ich glaube, dass wenn man mit dem gewöhnlichen, mehr assoziativen Denken mitdenkt, dass das dann nicht viel Effekt hat. Die alltäglichen Gedanken, da greift man sozusagen einfach hindurch, die haben wenig, keine Kraft. Jedenfalls keine Kraft, die im Weltgeschehen etwas zu bedeuten hat. Aber es ist natürlich auf der anderen Seite so, dass es wohl bekannt ist – und das ist auch in nicht unbedingt spirituellen Richtungen bekannt – dass wenn man mit seinen Gedanken etwas will, dass das sehr wohl eine Kraft erzeugt, die dann auch hilft, dass das geschieht, was man will.

Die Vorfahren der Person

Machen wir weiter mit Karma und Reinkarnation so wie Rudolf Steiner das für uns verständlich gemacht hat in seinem Buch Theosophie. Das Besondere daran ist, dass er immer versucht hat, deutlich zu machen, dass das Geistige wirklich mit dem Denken gefolgt werden kann, dass man das verstehen kann, dass man dafür nicht hellsichtig zu sein braucht, sondern dass der, so wie er es manchmal nennt, der gesunde Menschenverstand dazu da ist und auch geistig genug ist, von einem hellsichtigen, geschaute Geisteswissenschaft zu verstehen. Und er gibt eigentlich in dem Buch Theosophie und beispielhaft in dem Kapitel über Reinkarnation und Karma, da zeugt er davon, dass das so ist. Was man eigentlich bemerkt, wenn man ganz konzentriert und genau liest, was er geschrieben hat, dann bemerkt man, dass das Denken in eine andere Ebene sich verschiebt. Obwohl es das Verstandesdenken bleibt, wird es doch leise etwas anderes. Und wenn diese Verschiebung nicht stattfindet, ja dann liest man so, dann kann man es auch, wie man es nennt, diagonal lesen, so 1, 2, 3, hopp, dann liest man es oberflächlich und ist dasjenige, was Rudolf Steiner schreibt, nicht als Beweis zu nehmen für die Wirklichkeit von Reinkarnation und Karma. Wenn man aber diese leichte Verschiebung mitmacht, dann wird es im Verlauf des Textes deutlich, es scheint wirklich dadurch hindurch, diese geistige Wirklichkeit, es wird deutlich, dass hier durch diese Worte, durch diese Begriffe durch diese Gedankenfolge bewiesen wird, dass der Mensch ein reinkarnierendes Wesen ist. Und ich habe in den vorigen zwei Videos über dieses Thema zuerst den Anfang beschrieben, dass Rudolf Steiner als eine Art von Frage stellt, ob es nicht möglich sein könnte, dass auch die Welt ein Gedächtnis hat. Dass es nicht nur also die Menschen sind, die sich allerlei erinnern können, sondern dass auch die Welt, die wir durch unsere Taten ändern, dass diese Welt ein Gedächtnis hat. Und dass irgendwann einmal die Tatsachen wieder aufkommen und ausgeglichen werden müssen. Das ist eine Frage, er beantwortet das nicht unmittelbar mit Ja, aber es ist eine wunderbare Idee und man fühlt, wenn man das so liest, wie ich es meinte, man fühlt dann, dass man ein anderes Denken betritt, wenn man so eine Frage als eine Möglichkeit betrachten will. Denn dann hat man nicht mehr nur dasjenige, was uns bekannt ist, unser eigenes Gedächtnisvermögen, sondern man stellt sich vor, dass in der Welt die für uns ja doch mehr oder weniger geistlos, seelenlos ist, dass in der Welt doch so etwas sein könnte, wie etwas Seelisches, wie etwas Geistiges, das sich an unsere Taten erinnern könnte.

Demokratie

Wir haben in den letzten Wochen in den Niederlanden einen Sturz des Kabinetts erlebt. Ich habe schon früher gesagt, ich kann mich keiner Partei anschließen. Das gelingt einfach nicht, weil ich in allen Parteien etwas sehe, aber in allen Parteien auch sehr vieles sehe, womit ich überhaupt nicht einverstanden bin. Man könnte fast sagen, man sollte eine eigene Partei gründen, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Aber was dann jedenfalls sehr auffällt, ist der Gebrauch des Wortes Demokratie. Und ich muss sagen, dass es mich zunehmend zu stören begann, wie dieses Wort verwendet wird, mit welcher Art von Auftreten und einer bestimmten Form von Selbstgewissheit, dass gerade diese Partei, die gerade spricht, wisse, was die wahre Demokratie sei.

Das Gedächtnis ist keine Kartei

Ja, es kommen Reaktionen darauf, dass ich die anthroposophischen Videos auf Deutsch spreche. Und es wäre natürlich für mich ganz einfach, um auch dies in meiner Muttersprache zu sprechen. Aber Sie müssen sich vorstellen, dass wir durch Jahre hindurch viele, viele Seminare und Vorträge gegeben haben in dem deutschsprachigen Raum. Und dass es natürlich auch viele Menschen gibt, die dabei gewesen sind. Und ja, eigentlich in erster Linie spreche ich für diese Menschen. Und da habe ich natürlich damals auch nie auf Niederländisch sprechen können, denn das hätten sie nicht verstanden. Denn wenn man live irgendwo ist, gibt es ja keinen Untertitel. Also ich setze durch. Ich mache weiter mit der deutschen Sprache, obwohl es vielleicht nicht immer perfekt ist oder gar nicht perfekt ist. Das soll nicht kümmern. Ich versuche es so gut wie möglich zu tun.

Hotel Corona

Ich wollte heute mein neues Buch vorstellen. Das ist vor mehr als einer Woche erschienen, aber eigentlich schon viel früher geschrieben worden. Ich werde versuchen, etwas drumherum zu erzählen. Durch das meditative Studium der Anthroposophie habe ich herausgefunden, dass jeder Mensch aus einer bestimmten Weltanschauung heraus in der Welt steht. Das hat natürlich einen Hintergrund. Darüber spreche ich nicht. Aber es ist doch eine Tatsache, dass wir alle aus einer bestimmten Blickrichtung auf uns selbst und auf das, was in der Welt geschieht, schauen. Und das sind zwölf verschiedene Richtungen, die auch mit dem Tierkreis zusammenhängen. Es sind bekannte, größtenteils bekannte, philosophische, spirituelle Weltanschauungen. So hat man zum Beispiel den Materialismus, aber man hat auch das, genau gegenüberliegende, den Spiritualismus. Nun war es so, dass ich, das war ungefähr um die Jahrtausendwende, einen Impuls bekam, es einmal zu versuchen, Romane zu schreiben aus diesen zwölf Weltanschauungen heraus. Nun ja, das macht man natürlich nicht von heute auf morgen. Und inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Und ich habe die acht inzwischen geschafft.

Karma und Reinkarnation

Karma und Reinkarnation, das ist ein Hauptthema in der Anthroposophie und dieses Thema bringt eigentlich dasjenige, was im Altertum noch eine Selbstverständlichkeit war, in der modernen Zeit wieder zurück, im Abendland möchte ich sagen, denn im Morgenland war natürlich dieser Gedanke immer schon da. Aber im Abendland, in den abendländischen Anschauungen, ist es natürlich doch etwas Neues, nicht ganz, aber ziemlich. Und das Wunderbare bei Rudolf Steiner ist, dass er nicht von uns verlangt, dass wir einfach glauben, dass der Mensch ein reinkarnierendes Wesen ist mit Karma, sondern dass er die Mühe gemacht hat, dasjenige, was er selbst in seinem schauenden Bewusstsein als eine Selbstverständlichkeit, als eine Wahrheit wahrgenommen hat, dass er das ganz deutlich versucht hat, in Gedanken für uns zu hüllen, damit wir nicht glauben müssen, sondern dass wir mit Gedanken mitdenken können, dass es wohl so sein muss.

Frühling und der Seelenkalender

Ich wollte heute noch einmal auf den Seelenkalender von Rudolf Steiner eingehen. Geschrieben im Jahr 1912, vielleicht auch noch 1913. Und es sind Wochensprüche, bei denen man, wenn man diese Sprüche spricht, miterleben kann, wie sich das Verhältnis zwischen dir als Mensch und der Natur und dem Kosmos, den Jahreszeiten, im Jahreslauf verändert. Das ist etwas ganz Besonderes. Anfangs wirst du das vielleicht nicht bemerken. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Sprüche zunächst etwas kompliziert erscheinen und dass man das Gefühl hat, zum Beispiel nach einem Jahr, in dem man sie jede Woche gemacht hat, dass man immer noch keinen richtigen Zugang dazu hat. Vielleicht hier und da etwas gespürt von einem Zusammenhang zwischen dem, was man meditiert, und dem, was im Zusammenhang mit der Natur und dem Kosmos geschieht.

Katholischer Glaube und Anthroposophisches Wissen

Der Tod des Papstes hat mich dazu veranlasst, mich noch einmal zu fragen, was ist dann nun eigentlich der Unterschied zwischen dem katholischen Glauben und der Anthroposophie. Wenn ich das so sage, dann ist natürlich der erste Unterschied, dass die Anthroposophie kein Glauben ist und auch keine Religion. Also was soll das eigentlich, das zu vergleichen? Ich will es auch nicht vergleichen, aber es gibt natürlich doch viele Menschen, die ursprünglich in der katholischen Kirche gewesen sind, vielleicht auch einfach darin bleiben, sich nicht ausschreiben lassen und dann doch die Anthroposophie finden und das bevorzugen. Und dann ist die Frage, was ist nun eigentlich der Unterschied? Ich meine, dass in der Zeit von Rudolf Steiner die Anthroposophie für Katholiken verboten war. Ich weiß nicht, wie weit das gegangen ist, aber es war nicht gestattet, sich zu gleicher Zeit als Katholik zu fühlen und auch Anthroposoph zu sein.

Das wird doch wohl manchmal so gewesen sein, aber offiziell war die Anthroposophie natürlich nicht etwas Göttliches, meint man. Der große, größte Unterschied ist, dass in der Anthroposophie das Wissen von Karma und Reinkarnation gekommen ist. Und das wird noch immer ganz abgewiesen durch die christliche Kirchen. Obwohl in dem Neuen Testament es doch Stellen gibt, wo man eigentlich lesen muss, dass der Gedanke damals gelebt hat. Denn es gibt ja die Stelle, worin Johannes der Täufer sagt, als er gefragt wurde, ob er Elia sei, dass er sagt, nein, das bin ich nicht. Wie sollte er Elia sein, wenn es nicht Reinkarnation gibt? Es wird unzweifellos durch Theologen beantwortet werden können, was das dann wohl bedeutet. Aber man kann es natürlich auch so lesen, dass die Frage war, bist du der reinkarnierte Elias?